Ausleger-Portalkran: Eine ingenieurtechnische Lösung für beengte Platzverhältnisse

Datum: 09. Februar 2026

Im technischen Rahmen von Portalkranen ist der Ausleger keine einfache optionale Ergänzung, sondern eine ingenieurtechnische Lösung für Konflikte zwischen struktureller Konstruktion und räumlichen Einschränkungen.

automatisierter Containerbrückenkran

Aus ingenieurtechnischer Sicht benötigen nicht alle Portalkrane eine Kragarmkonstruktion. Der Hauptgrund dafür liegt darin, dass unterschiedliche Anwendungsszenarien grundlegend unterschiedliche räumliche Anforderungen stellen:

  • Der Arbeitsbereich eines Standard-Portalkrans ist prinzipiell auf die Hauptspannweite zwischen den beiden Beinen beschränkt.
  • Wenn alle Hebevorgänge vollständig innerhalb der Hauptspannweite stattfinden, ist ein Kragarm nicht nur unnötig, sondern kann sogar zu struktureller Redundanz führen.
  • Erst wenn räumliche Beschränkungen zur dominierenden Herausforderung werden, erlangt die Kragarmkonstruktion ihre wahre ingenieurtechnische Bedeutung.

Der Einsatz eines Auslegerportalkrans ist im Wesentlichen dann erforderlich, wenn herkömmliche Portalkrane räumliche Beschränkungen nicht erfüllen können. Dies ist typischerweise der Fall, wenn: der benötigte Arbeitsbereich über die Hauptspannweite hinausgeht oder feste Baustellengrenzen – wie Mauern, fest installierte Anlagen oder Hofränder – eine weitere Schienenverlängerung verhindern.

Basierend auf Branchenrecherchen und Fallstudien aus der Ingenieurberatung treten solche Anforderungen am häufigsten auf Baustellen mit festen Layouts und weitläufigen Arbeitsbereichen auf. In diesen Szenarien suchen Anwender nicht nach „leistungsstärkeren“ Kranen, sondern nach anpassungsfähigen Konstruktionslösungen für die räumlichen Gegebenheiten.

Kernaussage: Ein Kragarm ist keine Konfigurationserweiterung, sondern eine bauliche Lösung für räumliche Gegebenheiten. Sein Zweck besteht nicht in der Erhöhung der Tragfähigkeit oder der Arbeitsgeschwindigkeit, sondern in der Erweiterung der Konstruktion über die Hauptspannweite hinaus, um so auch außerhalb der Spannweite liegende Arbeitsbereiche auf begrenztem Raum effektiv abdecken zu können.

Was ist ein Ausleger-Portalkran?

Ein Ausleger-Portalkran ist ein Portalkran Bei dieser Konstruktion ragt der Hauptträger über einen oder beide Schenkel hinaus und bildet so einen Kragarmabschnitt, der es ermöglicht, den Arbeitsbereich über die Hauptspannweite hinaus zu erweitern.

Die Kernlogik des Designs besteht in der Erweiterung des Arbeitsbereichs, nicht in der Erhöhung der Ladekapazität.

4-armiger Portalkran

Konstruktiv bedeutet ein „Kragarm“, dass der Hauptträger zusätzliche, überhängende Kräfte aufnehmen muss. Da der Kragarmabschnitt keine Stützbeine besitzt, werden alle am Kragarmende wirkenden Lasten in Biegemomente und Torsionskräfte umgewandelt, die auf den Hauptträger wirken. Dies erfordert höhere Anforderungen an die Materialauswahl und die Querschnittsgestaltung, um eine ausreichende Biegefestigkeit zu gewährleisten.

Zusätzlich zu den Standardkomponenten eines Portalkrans – Hauptträger, Stützen, Fahrwerk und Hebesystem – muss ein Auslegerportalkran am Auslegerende mit zusätzlichen Sicherheitskomponenten wie Endschaltern und Puffern ausgestattet sein, um die Stabilität bei Arbeiten über Auslegerhöhe zu gewährleisten.

Wesentliche Unterschiede zu Standard-Portalkranen

400-Tonnen-Portalkran
DimensionStandard-PortalkranAusleger-Portalkran
KernfunktionMaterialhandhabungMaterialhandhabung
Strukturelle BelastungVertikale Last innerhalb der HauptspannweiteHauptspannweite + Kragarmbiegung und Torsion
ArbeitsbereichBegrenzt durch den BeinabstandReicht über die Beingrenzen hinaus
Strukturelle KomplexitätRelativ einfachwesentlich komplexer

Obwohl beide die gleiche Funktion erfüllen, unterscheidet sich ihre strukturelle Logik grundlegend.

Drei Strukturtypen von Kragarm-Portalkranen

Die strukturellen Unterschiede zwischen Ausleger-Portalkranen ergeben sich aus den Gegebenheiten vor Ort und den Anforderungen an den Arbeitsbereich. Bei der Auswahl sollte der Fokus auf der strukturellen Kompatibilität mit dem Standort liegen, anstatt auf einer „All-in-One“-Funktionalität.

1. Einzelner Kragarm: Konzipiert für Randoperationen

Ein einseitig auskragender Portalkran verlängert den Hauptträger nur auf einer Seite, während die andere Seite eine konventionelle Konstruktion bleibt. Diese Konstruktion eignet sich besonders für einseitige Begrenzungen, wie beispielsweise Werkstätten mit einer Wandseite oder Höfe neben Straßen oder festen Anlagen.

Einarmiger Ausleger-Portalkran

Strukturelle Merkmale:

  • Ausleger auf einer Seite des Hauptträgers
  • Konventionelle Struktur auf der gegenüberliegenden Seite

Anwendungslogik:

  • Die Operationen konzentrierten sich auf eine Seite der Hauptspannweite.
  • Klare einseitige Randbedingungen

Typisches Risiko:

  • Mögliche tote Winkel bei doppelseitigen oder verteilten Operationen

2. Doppelkragarm: Flächenorientiert, nicht effizienzorientiert

Ein Doppel-Ausleger-Portalkran verfügt über Auslegerverlängerungen an beiden Enden des Hauptträgers, wodurch eine Abdeckung über beide Seiten der Hauptspannweite hinaus ermöglicht wird.

Es ist wichtig zu beachten, dass der Vorteil eines Doppelkrans in der größeren Reichweite und nicht in der höheren Effizienz liegt. Betriebs- und Hubgeschwindigkeit sind im Wesentlichen mit denen von Einzelkranen oder Standard-Portalkranen vergleichbar. In manchen Fällen kann die erhöhte strukturelle Komplexität die Betriebseffizienz sogar leicht verringern.

Strukturelle Merkmale:

  • Kragarme an beiden Enden des Hauptträgers
  • Überdachung auf beiden Seiten der Hauptspannweite

Wichtigste Erkenntnis:

  • Doppel-Cantilever ≠ höhere Effizienz
  • Der Wert liegt in der Abdeckung, nicht in der Geschwindigkeit oder Kapazität.

Anwendbare Szenarien:

  • Edge-Operationen auf beiden Seiten erforderlich
  • Die Schienen können in keine Richtung verlängert werden
  • Große Freiflächen und Mehrzonenbetriebe

3. Kundenspezifischer Kragarm: Gegeben durch technische Gegebenheiten

Kundenspezifische Ausleger-Portalkrane sind keine Standardmodelle, sondern standortspezifische Konstruktionen, die durch besondere Umgebungsbedingungen bedingt sind. Typische Varianten umfassen explosionsgeschützte, Tieftemperatur- und mobile Ausführungen.

Die Kernlogik lautet: „Die Umgebung bestimmt die Struktur“, nicht umgekehrt.

  • Explosionsgeschützte Ausleger-Portalkrane werden in der chemischen und petrochemischen Industrie mit brennbaren oder explosiven Medien eingesetzt. Die Konstruktionen müssen die Anforderungen an den Explosionsschutz erfüllen und explosionsgeschützte Motoren, abgedichtete elektrische Bauteile sowie antistatische Komponenten umfassen, um Zündgefahren zu vermeiden.
  • Niedertemperatur-Auslegerkrane sind für Kühlhäuser oder den Außeneinsatz in kalten Regionen konzipiert und verwenden kältebeständigen Stahl, Frostschutzmittel und isolierte elektrische Systeme, um Versprödung und Bauteilversagen zu verhindern.

Vom Strukturverständnis zur richtigen Auswahl: Eine fünfstufige Ingenieurlogik

Die Auswahl eines Auslegerportalkrans ist im Wesentlichen eine ingenieurtechnische Beurteilung und keine einfache Beschaffungsentscheidung. Sie erfordert eine systematische Bewertung der baulichen Eigenschaften, der Standortbedingungen und der betrieblichen Anforderungen.

Schritt 1: Die „Last“ korrekt definieren

Last ≠ gehobenes Gewicht.

Eine ordnungsgemäße Lastbewertung umfasst:

  • Materialgewicht
  • Gewicht der Hebezeuge und Anschlagmittel
  • Dynamische Belastungen (Stoß, Trägheit)

Beispielsweise ergibt das Anheben von 10 Tonnen Material mit einem 1-Tonnen-Hebegerät und einem dynamischen Lastfaktor von 1,1 eine tatsächliche Last von: (10 + 1) × 1,1 = 12,1 Tonnen.

Nur eine genaue Berechnung der Gesamtlast gewährleistet die strukturelle Sicherheit.

Schritt 2: Standortbedingungen bewerten

Der Wert eines Kragarms liegt in der Umsetzung des Tragwerksentwurfs in räumliche Anpassungsfähigkeit, wobei hauptsächlich drei Aspekte berücksichtigt werden:

1. Abdeckung von Bereichen jenseits der Hauptspannweite
Auf offenen Höfen oder an Werkstatträndern ragen die Materialien oft über die Hauptspannweite hinaus. Kragarme ermöglichen eine Überdachung, ohne dass Schienen verändert oder zusätzliche Ausrüstung angebracht werden muss.

1 Ausleger-Portalkran

2. Beseitigung von toten Winkeln in der Nähe von Wänden, Geräten oder Grenzen
Die Kragarme erweitern den Arbeitsbereich über die Beine hinaus und ermöglichen so ein Heben in Randnähe und eine optimale Raumausnutzung.

3-fach-Ausleger-Portalkran

3. Bestehende Standorte, an denen eine Schienenverlängerung unmöglich ist
Bei Sanierungsprojekten bieten Kragarme die kostengünstigste Erweiterungsmöglichkeit ohne bauliche Umgestaltung.

2-fach Ausleger-Portalkran

Bei all diesen Lösungsansätzen steht die räumliche Anpassung im Vordergrund, wodurch die Standortbedingungen zum primären Auswahlkriterium werden.

Schritt 3: Betriebsradius bestimmen

Der Arbeitsradius ist der Abstand vom entferntesten Hebepunkt zur Schienenmittellinie:

  • Betriebsradius ≤ halbe Hauptspannweite → kein Kragarm erforderlich
  • Betriebsradius > halbe Hauptspannweite → Kragarm erforderlich

Die Auslegerlänge muss den entferntesten Punkt mit ausreichendem Sicherheitsabstand abdecken.

Schritt 4: Beurteilung der Bodenpressung und der Windlast

Kragarmkonstruktionen verändern die Radlastverteilung und erhöhen den Druck auf einer Seite:

  • Die Bodenpressung muss mindestens 2,5 MPa betragen; andernfalls ist eine Betonbewehrung erforderlich.
  • Bei Außenanwendungen muss die Windlast berücksichtigt werden. Größere, dem Wind zugewandte Flächen erfordern Windschutzvorrichtungen wie Schienenklemmen und Verankerungssysteme, um ein Verrutschen oder Umkippen zu verhindern.

Schritt 5: Umwelt- und Compliance-Anforderungen

Umgebungsbedingungen (Explosionsschutz, niedrige Temperaturen usw.) müssen im Voraus klar definiert werden. Die Konstruktion muss den relevanten Normen entsprechen, einschließlich:

  • China: GB/T 14406-2019
  • Internationale Referenz: ASME B30.22, OSHA

Anwendung von Kragarmkonstruktionen in verschiedenen Branchen

Die Abhängigkeit von Kragarmkonstruktionen variiert je nach Branche. In manchen Fällen sind sie unverzichtbar, in anderen stellen sie optionale Optimierungen dar.

MH Einträger-Portalkran Goliath mit Kastenträger-Design1

Materiallager (Stahl, Rohre, Profile): Aufgrund linearer Materialanordnungen und häufiger Kantenbearbeitungen sind Kragarme oft unerlässlich.

U-Bahn-Baustellen: Aufgrund der beengten Platzverhältnisse und der festen Begrenzungen um die Baugruben sind in der Regel Kragarme erforderlich.

Containerterminals in Häfen: Während die Layouts standardisiert sind, reichen oft konventionelle Spannweiten aus; Kragarme werden je nach Terminalkonfiguration selektiv eingesetzt.

Fazit: Wann ist ein Ausleger-Portalkran die richtige Lösung?

Wenn Ihre betriebliche Herausforderung eher auf räumliche Beschränkungen als auf unzureichende Hubkapazität zurückzuführen ist, dann ist ein Ausleger-Portalkran die richtige bauliche Lösung.

Das Grundprinzip ist klar: Kragarme lösen Raumprobleme, nicht Leistungsbeschränkungen.

Für eine effektive Anwendung muss man den Irrglauben aufgeben, dass „komplexere Strukturen immer besser sind“. Der Erfolg liegt vielmehr darin, genau zu bestimmen, ob das Kernproblem räumlicher oder leistungsbezogener Natur ist, und dann eine Struktur auszuwählen, die exakt den Anforderungen des Standorts, des Betriebs und der Konstruktion entspricht – dies ist das Grundprinzip für den sachgemäßen Einsatz der Kragarmkrantechnologie.

Krystal
krystal
Kran-OEM-Experte

Ich verfüge über 8 Jahre Erfahrung in der individuellen Anpassung von Hebegeräten und habe über 10.000 Kunden bei ihren Fragen und Anliegen vor dem Verkauf unterstützt. Wenn Sie diesbezügliche Wünsche haben, können Sie sich gerne an mich wenden!

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